Warum wir Korken mögen

Rinde einer portugiesischen Korkeiche mit ausgestanzten Flaschenkorken

Rinde einer portugiesischen Korkeiche mit ausgestanzten Flaschenkorken
Rinde einer portugiesischen Korkeiche mit ausgestanzten Flaschenkorken

Der aus der Rinde der Korkeiche produzierte Korken so scheint es, ist auf dem absteigenden Ast und dem Aussterben nahe. “Nur wenige Dinosaurier setzen auf Kork” schreibt etwa BR-online und verkündet, dass “[…] der Schraubverschluss nach Angaben von Experten nur Vorteile [hat]”.  Die WELT lässt den englischen Weinkritiker Hugh Johnson sagen, dass “Beaujolais in Dosen eine tolle Idee” sei und irgendwie scheint es Konsens zu sein, dass nur noch der nostalgische Verbraucher die flächendeckende Einführung alternativer Verschlüsse bremst.

In der Tat, Schraubverschlüsse sind praktisch. Und es gibt Situationen, wo die Praktikabilität Vorrang hat. Etwa im Kühlschrank des Gastronomen. Deshalb füllen auch wir eine Reihe günstigerer Weine in Flaschen mit Schraubverschluss. Aber die Argumente für den Einsatz von Naturkorken gerade bei hochwertigen Weinen ins Reich der Esoterik zu schieben ist schon reichlich vermessen.

Der Korkverschluss ist mit Abstand am Nachhaltigsten

CO2-Emmissionen bei verschiedenen Weinverschlüssen im Vergleich
CO2-Emmissionen bei verschiedenen Weinverschlüssen im Vergleich (Quelle: http://www.corkfacts.com/)

In einem sehr interessanten Bericht der Weinwirtschaft 16/10 wird eine Studie von PricewaterhouseCoopers zitiert. Die untersucht einen Aspekt, der vor ein paar Jahren noch niemanden interessiert hat: Nachhaltigkeit. Aufgeschlüsselt in die Emission von Treibhausgasen, den Verbrauch von nicht erneuerbarer Energie, den Verbrauch von Wasser, den Beitrag zur Versauerung der Atmosphäre, den Beitrag zur Verschlechterung der Ozonschicht, den Beitrag zur Eutrophierung und zur Produktion von festen Abfällen. Dabei landet der Naturkorken im Vergleich zu Aluminium und Plastik in sechs von sieben Kriterien auf Platz eins. Und plötzlich haben wir ein sehr stichhaltiges Argument. Korkwälder sind eben etwas Anderes als energiehungrige Aluminiumfabriken. Es gibt also Argumente abseits des teilweise skurril einseitigen Diskurses.

Wein ist ein Naturprodukt – der Verschluss sollte es auch sein

Silvaner Spätlese vom Rödelseer Küchenmeister
Große Weine werden verkorkt: unsere Silvaner Spätlese vom Rödelseer Küchenmeister

Und dennoch muss an dieser Stelle nochmal das “esoterische” Argument gebracht, also etwas philosophischer argumentiert werden. Wein ist für uns (und viele Kollegen) ein Produkt der Natur. Wenn das Wetter nicht mitspielt wird er nicht so gut, wenn es mitspielt wird er richtig gut. Genauso kann ein Korken in Ausnahmefällen nicht seinen Dienst tun und Geschmack an den Wein abgeben. Kein Problem, wir ersetzen Ihnen die Flasche. So ist es eben mit den Produkten der Natur, sie sind nicht immer perfekt aber dafür einzigartig und abwechslungsreich.
Wir beziehen unsere Korken vom Heilbronner Korkveredler Gültig, der uns bereits seit Jahrzehnten (in der Tat, seit Generationen!) beliefert. Die Produktionsstätten der Korken befinden sich in Portugal. Vor einigen Jahren konnten wir uns selbst einen Eindruck davon verschaffen, mit welch enormen Aufwand gutes Rinden material und letztlich auch beste Korken selektiert werden.

Wollen wir wirklich nur noch Weine aus dem Labor, steril verpackt und jeglicher Mystik beraubt? Wo ist dann noch der Unterschied zu Alkopops und Apfelsaftschorle? Wir sind der Meinung, dass der Genuss eines edlen Weines weit mehr ist als das Arbeiten der Geschmacksrezeptoren. Das Ritual des Öffnens, der erste Kontakt mit dem Naturprodukt Wein durch das Riechen am Korken und die fachmännische Überprüfung, ob er denn auch ja keine Spuren hinterlassen hat, all das ist es alleine schon wert und macht Wein zu etwas Besonderem. Und um Hugh Johnson, der am Anfang des Posts aufgrund der Überschrift der WELT für eine ironische Anmerkung herhalten musste zu rehabilitieren: In seinem Interview bemerkt auch er, dass es “für einen großen Wein […] keinen besseren Verschluss als einen Korken [gibt]”.

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