Wasser satt

Es ist so ziemlich genau das Gegenteil vom vergangenen Jahr bisher. Da schrieb ich um diese Zeit schon jammernd über die Trockenheit, die für eine zähe Vegetationsphase und teils recht kleine Erträge sorgte. Ganz anders dieses Jahr. Wir haben Wasser satt. Wir hatten Glück, die Starkregen und Gewitter haben keine Schäden verursacht. Die Böden sind bis obenhin gefüllt und mithin bestens gerüstet für den Sommer. Entsprechend rasch ging das Wachstum vonstatten und wir kamen mit dem Ausbrechen kaum hinterher. Regenpausen waren nicht.

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Aber zwischendrin gab es auch reichlich Gelegenheit, um Winzer und Praktikanten an die Sommer-Sonne zu gewöhnen.

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Sehr erfreulich: Wir konnten die Begrünung so richtig hoch wachsen und damit tief wurzeln lassen. Gab ja genug Wasser. Aber irgendwann ist hoch genug, jetzt wurde sie dann doch mal gemäht. In der Traubenzone sind die Wicken wenig hilfreich.

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Kommende Woche wird es mit der Blüte losgehen – hoffen wir auf prächtige Sonnentage!

Vater & Sohn

Keine Angst, das ist keine Geschichte über Cat Steven’s berühmtes Lied “Father and son”. Das ist eine Geschichte über Wein.

Micha und Opa

Als Michael und ich beschlossen, von London nach Kitzingen zu ziehen, um in das Weingut der Eltern einzusteigen, stand für uns eines fest: Wir wollten es auf unsere eigene Art machen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht ganz klar, wie das genau aussehen würde. Wir wussten, dass wir nachhaltig arbeiten wollten. Wir wollten qualitativ guten Wein machen. Ohne Zusätze, ohne Schönung, ohne Filtration. Wir wollten einen Wein “machen”, den wir liebend gerne selber trinken würden.

Aber zunächst musste der normale Betrieb weitergehen um Angestellte zu bezahlen und Kunden zu beliefern. 2014 füllten wir  unseren ersten Wein ab und der kam so gut an, dass er in Kürze ausverkauft war. Vielleicht war es Anfängerglück oder 2013 war ein guter Jahrgang für diese beiden Weinberge  – ich weiß es nicht. Ich weiß lediglich, dass wir sehr viele Fehler gemacht haben und oftmals unsicher waren, wie es weitergehen soll. 2014 war ein schwieriger Jahrgang und wir konnten den Großteil unseres Weines nicht verwenden. Es fühlte sich immer noch wie eine Versuchsreihe an. Aber was gelang, gelang hervorragend.

Mit dem 15er Jahrgang war der Punkt gekommen, an dem wir uns entscheiden mussten. Riskieren und investieren oder nicht. Wir haben uns dafür entschieden diesen Weg zu gehen und sehr viel mehr Wein so zu machen wie wir ihn besonders gerne mögen. Nach drei Jahren fühlt es sich nun das erste mal nicht mehr wie ein Hobby an. Es klingt vielleicht gemein, aber ich habe nicht immer daran geglaubt, dass wir es schaffen werden. Es gab immer noch die Möglichkeit, den Notausgang zu nehmen.

Drei Generationen

Ich hatte nie das Gefühl, dass Michael’s Vater irgendwelche Zweifel hatte. Er und Michael haben zusammen gearbeitet, diskutiert, vielleicht auch mal gestritten, aber sie haben sich immer gegenseitig unterstützt. Sie haben beide die gleiche Mission: das kleine Weingut für die Zukunft gut aufzustellen. Ich bin immer ein bisschen überwältigt, wieviel Vertrauen und Respekt beide füreinander haben. Bernhard ist mächtig stolz, dass Michael mit so viel Leidenschaft und Interesse bei der Sache ist. Und Michael könnte sich keinen offeneren und vertrauensvolleren Vater wünschen.

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich aus dieser Beziehung etwas entwickelt, das ebenso kostbar wie die Beziehung selbst ist: die Vater & Sohn Weine. Da jedoch Vater und Sohn aus einer ganz anderen Ecke kommen – Michael ist eine treuer Anhänger des Naturweins und Bernhard Mitglied der amtlichen Qualitätsweinprüfung – mussten Sie einige Kompromisse eingehen. Wobei “Kompromiss” in diesem Fall unnötig negativ konnotiert ist. Es sollte eine Reihe von Weinen werden, die die Hürde der fränkischen Qualitätsweinprüfung passieren können. Also optisch und geschmacklich nicht großartig aus dem Rahmen fallend. Und dennoch so naturbelassen wie nur irgendwie möglich. Das heißt: wenn kein Restzucker geplant ist (in diesem Fall bedingt der Gärstopp eine frühe Schwefel-Gabe), wird nur in den Prozess der Weinwerdung eingegriffen, wenn der Verderb droht. Also sehr selten. Die Weine vergären spontan, durchlaufen den Biologischen Säureabbau und bleiben im Anschluss auf der Vollhefe liegen. Das spart anfangs viel Arbeit, kostet aber später ganz schön viel Zeit. So spaßig das regelmäßige Probieren eines jeden Gebindes klingt, erfordert es doch Fleiß und Disziplin. Filtriert wird – wenn nötig – erst vor der Füllung und dann nicht mit den schärfsten Schichten. Ein paar Hefen dürfen und sollen mit auf die Flasche. Bleibt noch der Schwefel. Ein wenig mehr Sicherheit ist bei diesen Weinen erwünscht. Und dafür braucht es nicht viel. Da – bis auf den Grauburgunder – alle Weine trocken wie sie sind abgefüllt werden, ist die Gefahr von Nachgärungen gering. Für den Oxidationsschutz – gerade beim Silvaner – sind wir bisher mit 25mg/l gut zurecht gekommen. Hier und da mag es auch mal etwas mehr werden, beim Rotwein hingegen wird es vermutlich noch weniger. Die Basisweine – ein Silvaner und ein Müller-Thurgau – sind bereits abgefüllt, ein paar Rotweine und ein großer Silvaner dürfen bis Juli noch in den Fässern reifen.

Vater & Sohn

Die Vater & Sohn Weine bauen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft unseres kleinen Weinguts. Sie stehen für das, was uns wichtig ist: Familie, Liebe und Tradition.

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Weil diese Weine im Ringen, in der Arbeit von Vater und Sohn entstehen, heißen sie auch genau so: Vater & Sohn. Die Künstlerin Mathilda Mutant hat unsere Überlegungen in ein fabelhaftes Design übersetzt.

Weinberge in Flammen

Der Frühling hatte so schön begonnen. Zusammen mit unseren Praktikanten konnte ich teils im T-Shirt fertig biegen und den jungen Riesling hacken. Der Grill brannte das erste Mal, der Austrieb legte grade los …

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Und dann fiel die Temperatur auf einen Schlag unter den Gefrierpunkt. Seit bald einer Woche kämpfen wir – und viele Kollegen aus der Region und ganz Europa – gegen den Frost. Jede Nacht wird das Thermometer unruhig beäugt. Eine gefährliche Zeit für Frost, hatte der Austrieb doch schon begonnen. Nun haben wir ja für die meisten Flächen reichlich Erfahrungswerte. Am Schlimmsten hat es meistens den Fuß des Weinbergs erwischt, auf dem Grauburgunder und seit zwei Jahren auch Riesling wächst. Insbesondere Dank eines darunter gelegenen Raps-Feldes, das einen regelrechten Staudamm für Kaltluft bildet.

Schon vier Mal haben wir nun Eimer mit Paraffin-Wachs am unteren Teil des Hangs verteilt und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt abgebrannt. Um etwa 3°C hat es die Temperatur in der Zeile gehoben und die Stöcke (bisher) frostfrei gehalten. Ein gespenstisch schöner Anblick.

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Nervig bloß, dass die Töpfe beaufsichtigt werden müssen. Es kann ja wirklich nicht viel passieren aber gut. Keine 90 Minuten hat es am ersten Abend gedauert, bis uns “besorgte Bürger” die Polizei zum nächtlichen Besuch geschickt haben. Eine Nacht gilt es noch auszuharren, dann war’s das hoffentlich. Vorerst zumindest. Die Eisheiligen sind ja noch weit entfernt. Kommende Woche wird sich zeigen, wie groß die Schäden wirklich sind, in diesem frühen Stadium des Austriebs ist das nicht so leicht zu beurteilen.

Und was macht man wenn das Ende der Welt naht? Man pflanzt einen Apfelbaum. In diesem Fall tulipa sylvestris, die Weinbergstulpe. Nimm das, Frost.

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Guter Mist

Inspektion des Rosshofs

Auch ein sorgsam begrünter Bio-Weinberg profitiert ab und an von einer guten Ladung Kompost. Geeignetes Material zu finden ist aber gar nicht so einfach. Rückstände von Antibiotika, Glyphosat oder Halmverkürzer wollen wir nicht unbedingt im Weinberg verteilen. Nach langem Suchen haben wir schließlich einen geeigneten Rosshof gefunden.

Glückliche Pferde

Ein paar Lamas tragen auch ihren Teil zum beständigen Wachsen des Misthaufens bei.

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Schon der frische Misthaufen riecht gut.

Misthaufen

Zu Kompost verrottet kann man sich keine schönere Erde vorstellen.

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Und so haben wir einige Wagenladungen auf den Eselsberg gekarrt und mit dem Kompoststreuer in die Weinberge gefahren.

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Eine generalstabsmäßig geplante Aktion, bei der uns gegen Abend fast der Schlepper samt Streuer den Hang hinunter gerutscht sind. Es ist doch ganz schön steil an manchen Stellen dieses sanften Hügels. Aber jetzt liegt es da, das dunkle Gold.

Kompost in der Weinbergs-Zeile

Jetzt freuen wir uns auf den Austrieb!

Hier kommt die Maus

Der ein oder andere Leser hat vermutlich schon von unserem Fledermauswein gehört. Allen anderen sei dieses wunderbare Projekt, das uns derzeit eine regelrechte Aufmerksamkeitswelle beschert, kurz vorgestellt: im Frühjahr 2015 übernahmen wir einen Weinberg am Kitzinger Eselsberg, bepflanzt mit Schwarzriesling und Müller-Thurgau. Im Weinberg steht dieses idyllische Hüttchen.

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Daraufhin kamen wir mit dem Kitzinger Fledermaus-Schützer Christian Söder in Kontakt. Der Weinberg liegt im Prinzip mitten in Kitzingen und stellt für die gerne in Dachstühlen hausenden Tierchen ein potentielles Jagdrevier dar. Daraus entwickelte sich die Idee, den Weinberg mit Fledermaus-Kästen zu versehen und den Jägern der Nacht den in diesem Weinberg wachsenden Wein zu widmen. Gedüngt wird die Fläche fortan mit Guano aus regionalen Kolonien, im Gegenzug geht ein Teil des Erlöses zurück an die Fledermäuse.

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Einen roten haben wir bereits abgefüllt, er ist so gut wie ausverkauft. Ein weißer wird im April noch folgen. Die Weine sind unfiltriert & ungeschwefelt und unterscheiden sich doch erheblich von den bekannten Völker-Weinen. Deshalb laufen sie auch unter Melanie’s und Michael’s Label 2Naturkinder und stehen nicht in unserem Shop. Bei Interesse können Sie aber gerne anrufen oder eine E-Mail schreiben.

Der Schneider macht die Kleider

Langsam aber sicher wird es Zeit, die Rebstöcke in Form für die neue Saison zu bringen. “Der Schneider macht die Kleider” heißt es da immer so schön und zurecht, es ist schlichtweg die wichtigste Arbeit des Jahres am Stock. Gerade die trockengestressten Anlagen wollen nicht überlastet werden. Stellt man einen Trieb vom Vorjahr in die Vase staunt man, wie viel Grün aus den Knospen sprießt, ernährt von im Holz eingelagerten Reservestoffen. Die gestressten Anlagen haben nun tendenziell weniger Reserven eingelagert. Also lieber zwei Triebe weniger, damit die verbleibenden beim Austrieb ordentlich versorgt werden können.

Auch der sogenannte Sanfte Rebschnitt ist bei uns in diesem Jahr ein Thema. Der 2014 gepflanzte Riesling bekommt dahingehend in diesem Jahr seinen ersten Schnitt zum Aufbau des Kopfes. Bei den alten Anlagen ist es allerdings oft ziemlich kniffelig, das Ruder in der Erziehung noch herumzureißen. Es macht auf jeden Fall Spaß, die Grundlagen für den 16er Jahrgang zu legen!

Warme Weihnachten

Der (bisher) warme Winter hat seine Auswirkungen auf die Weinbergsbegrünung: es blüht wohin das Auge schaut. Gerade die Phacelia ist im Frühlingsmodus. Der Regen tut den ausgetrockneten Böden gut und langsam füllen sich die Wasservorräte wieder auf.

Es war ein bewegtes Jahr. Insbesondere die lange Trockenperiode hat weh getan und uns zur Ertragsreduktion und teilweise zum Gießen gezwungen. Dennoch war die Ernte qualitativ mehr als zufriedenstellend und die Jungweine überzeugen auf ganzer Linie.

An dieser Stelle bedanken wir uns bei Ihnen allen fürs Lesen, Liken, Kommentieren – und natürlich Ihre Bestellungen. Wir wünschen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Fast alles ist im Keller – zum Leseabschluss 2015

Bevor der Saft nicht im Keller ist sind wir ja eher vorsichtig mit den Prognosen. Ein bis Ende August reifender Jahrhundert-Jahrgang kann durch einen verregneten September noch zum Massaker werden. Und so haben wir Anfang September wieder gezittert, als doch mehr Regen vom Himmel fiel als wir gebraucht hätten. Gerade für Bacchus und Müller-Thurgau, die schon im Endstadium der Reife waren, bedeutete das erhöhte Fäulnis-Gefahr. Und so mussten wir doch ordentlich selektieren.

Doch dann kamen strahlende Herbstwochen. Die vorhandene Fäulnis trocknete ein (oder breitete sich zumindest kaum aus) und die Mostgewichte legten ordentlich zu. Es konnte jeden Tag ohne große Hektik gelesen werden. Zwei Rotweine gären noch auf der Maische, aber ansonsten ist alles im Keller, auch schon einiges durchgegoren. Und nach jedem Kellerdurchgang kommen wir mit einem zufriedenen Grinsen wieder an die Oberfläche.

Es sieht gut aus, ziemlich gut. Keine übermäßig großen Mengen (bedingt durch die Trockenheit), aber tolle Qualitäten. Kann man sich drauf freuen.

Die Ernte hat begonnen

Es ist dann doch ein gutes Gefühl wenn es endlich los geht. Die Reife in den Anlagen ist nach wie vor äußerst heterogen, ein Silvaner wird wohl vor den Müller-Thurgau-Weinbergen gelesen werden und der sonst stets zuerst gelesene Regent hängt immer noch pumperlgesund am Stock. Die nicht enden wollenden Regenschauer erhöhen sukzessive den Fäulnis-Druck, pokern und/oder selektieren ist angesagt … Da hadert man bei manch einem Weinberg ob des richtigen Zeitpunktes.

Unsere alte Domina war als erstes dran, hier und da ein paar essigfaule Ecken trotz penibler Laubarbeit, es wurde gut ausgelesen.

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Die meisten Trauben waren jedoch eine Augenweide, der Lesetag hat Spaß gemacht.

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Wie immer kein berauschender Ertrag, aber das wird ja auch kein einfacher Trinkwein. Die Gärung hat zügig eingesetzt und die Maische darf jetzt erstmal ein paar Wochen arbeiten.

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Ebenfalls gelesen haben wir die Hauptmenge unseres Schwarzrieslings (vornehm: Pinot Meunier), das wird Fledermauswein. Kein schöner Lesetag, immer wieder leichte Schauer und matschige Füße. Aber auch hier hatte sich in den üppigeren Ecken schon Fäulnis breit gemacht. Und da es ohnehin ein leichter Rotwein mit knackiger Säure werden soll ging der Lesetermin schon in Ordnung.

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Ein paar sonnige Tage für Silvaner und die Burgunder wären noch schön … aber schlussendlich müssen wir mit dem arbeiten was uns die Natur vorsetzt – und wir werden es auch dieses Jahr wieder gut hinkriegen.

Lesevorbereitungen

Fässer putzen

Gerade noch rechtzeitig sind – wie jedes Jahr – alle Tanks sorgfältig gereinigt worden, die Holzfässer werden gerade noch geschrubbt. Eine außerordentlich wichtige Arbeit. Und schweißtreibend, muss doch nach dem Spülen mit Lauge mit Schlauch und Bürste doch in jeden Tank hineingeklettert werden.

Silvaner

Es ist kaum zu glauben, aber die Weinberge sehen trotz des dürren Sommers gar nicht übel da. Natürlich kann sich jetzt abhängig von Regen und Temperatur noch einiges ändern, aber wir sind doch ganz optimistisch. einen Bacchus haben wir recht früh geholt – Mostgewicht, Säure und Reifegrad waren prima, warum warten bis die Fäulnis zuschlägt. Die Säurewerte sinken zwar teilweise einen Tick zu flott, aber man muss ja nicht jeden Weinberg bis zum letzten Grad Oechsle ausreizen.

Und richtig los geht es nun diese Woche. Die Trauben sehen toll aus, da macht es Spaß ernten zu gehen!

Regent

Mögen die Spiele beginnen!