Schafe im Weinberg

Die Arbeit mit Tieren ist im Weinbau weitgehend ausgestorben. Während früher das Pferd den Pflug zog und Gänse, Enten, Schafe, ja sogar Kühe und Schweine hier und dann in den Weinberg getrieben wurden übernimmt der Traktor heute sämtliche Aufgaben. Von der Bodenbearbeitung bis zur Entblätterung. Der hat natürlich auch seine Nachteile. Bodenverdichtungen durch häufiges Befahren, Schäden an den Stöcken durch Zwischenstockgeräte, massive Eingriffe in die Biodiversität durch den Mulcher. In komplizierteren Weinbergen mit Böschungen oder den Steillagen müssen nicht zuletzt nach wie vor Hacke & Motorsense eingesetzt werden – eine schweißtreibende Arbeit.

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Gerade mit Schafen haben einige Winzer sich deshalb in letzter Zeit wieder begonnen zu beschäftigen. Je nach Rasse und Kopfhöhe sind verschiedene Einsatzzwecke denkbar: Entlauben oder Begrünung kurz halten. Für unsere aufwendigsten Weinberge am Kitzinger Eselsberg haben wir uns nun eine kleine Herde der Rasse Ouessant zugelegt. Zusammen mit dem LBV wollen wir herausfinden, wie sich so eine Weinbergsbeweidung in den hiesigen Lagen umsetzen lässt. Wann müssen die Tiere raus aus dem Weinberg (Pflanzenschutz, Austrieb?), welche Einsaat und wie oft, wie ist der Elektrozaun am geschicktesten aufzubauen … viele Fragen die beantwortet werden wollen. Der LBV unterstützt uns dabei durch die Finanzierung der Umzäunung und eine Ausgleichsfläche auf die sich die Tiere zurückziehen können, sollten sie mal nicht im Weinberg sein können. Herzlichen Dank!

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Seit Mitte August grasen wie Zwerge nun in unserer Domina am Kitzinger Eselsberg. Ackerwinden und die jungen Blätter herabhängender Geiztriebe haben sich bisher als besonders beliebt erwiesen. Es ist ein großes Vergnügen, die Tiere bei der Arbeit zu beobachten. Die neu zusammengesetzte Herde muss eine neue Rangordnung auskämpfen, allerlei ungewohnte Pflanzen probieren und die Wirkung des Litzen-Zauns kennen lernen. Letzteres macht weniger Vergnügen, war aber bisher nur einmal zu beobachten. Bei so viel Platz ist der Zaun auch gar nicht so interessant.

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Sollten Sie auf dem Feldweg oberhalb des Weinbergs vorbei spazieren können Sie vielleicht einen Blick auf die kleinen Racker erhaschen. Ein Stück trockenes Brot nehmen sie gerne – aber bitte nicht gleich eine ganze Tüte! In diesem Sinne: ein herzliches Willkommen an unsere neuen Mitarbeiter!

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4 Idee über “Schafe im Weinberg

  1. Marthe Jung sagt:

    Wenn da jeder ein Stück trockenes Brot mitbringt, dann sind die kleinen Tiere bald tot. Es ist ohnehin nicht gut für sie. Da sie den Niedlichkeitswert haben, muß man sehr aufpassen. Aber die Weinbergsbeweidungsidee finde ich ganz toll.

    • Michael Völker sagt:

      Wenn jeden Tag eine ganze Tüte reingetappt werden würde wäre das gar nicht gut, klar. Aber keine Sorge, so viel Besuch gibt es auch wieder nicht.

    • Michael Völker sagt:

      Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Im Frühjahr werden sie erstmal auf einem halben Hektar sein. Wird je nachdem wie lange sie zum Austrieb raus müssen kommt ein zweiter Weinberg dazu oder nicht.

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